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  • Sabine Hulsebosch

Freiraum über das Schleppleinentraining


„Ein Jahr Schleppleine bedeutet 10 freie Hundejahre“ Günther Bloch

Ein Hund braucht unsere Kontrolle um Freiraum zu haben

Ein unkontrolliert freilaufender Hund, also ein Hund, der auf den Rückruf nicht zuverlässig reagiert, ist ein ungeschützter Hund. Du kannst nichts für ihn tun, sollte ein Auto kommen, eine läufige Hündin, der Erzfeind oder ein unverträglicher Artgenosse, auf den Dein Vierbeiner freudig zustürmt. Oder es kommen uns kleine Kinder entgegen, Menschen die Angst vor Hunden haben oder Radfahrer und Jogger die Beutefangverhalten beim Hund auslösen können. Wild ist unbedingt vor unserem freilaufenden Hund zu schützen. Tierliebe sollte nicht beim eigenen Hund aufhören!

Ist Dein Hund nicht zuverlässig abrufbar lieferst Du ihn regelrecht gefahrvollen und riskanten Situationen aus, die in unserer Umwelt allgegenwärtig sind. Deshalb: Als Hundehalter solltest Du in der Lage sein, Deinen Hund im Freilauf zu kontrollieren.

Frühzeitig anfangen macht sich bezahlt

Es ist bei weitem einfacher und weniger zeitaufwendig, den Welpen oder den erwachsenen, neu übernommenen Hund aus dem Tierschutz am Weglaufen, Jagen oder Passanten anspringen zu hindern als diese Verhaltensweisen beim erwachsenen Hund wieder abzutrainieren, da sie in derRegel selbstbelohnend wirken und so Dienen Hund in seinem unerwünschten Verhalten bestärken. Eine wichtige Voraussetzung ist, egal, ob beim Jung- und erwachsenen Hund, ihn während der Schleppleinen Trainingszeit nicht frei laufen zu lassen und gegebene Signale auch freundlich aber bestimmt durchzusetzen.

Übrigens: einmal Schleppleine – immer Schleppleine! Bis zu dem Zeitpunkt an dem wir da sind, wo wir hinwollen: ein eingespieltes, harmonisches Team draußen zu sein.

Techniken des Schleppleinentrainings

Allem voran ist es wichtig dass Dein Hund ein gut sitzendes Brustgeschirr trägt. Befestige die Schleppleine nicht an seinem Halsband. Die Verletzungsgefahr ist schlichtweg zu groß, sollte Dein Hund plötzlich nach vorne preschen.

Achtsamkeitstraining

Dein Hund wird durch die folgende Übung lernen auf Dich zu achten. Sein ungerichteter Außen- Fokus wird auf Dich umgelenkt. Dafür nimmst Du das Ende der Schleppleine ( am besten von Biothane: https://bio-leine.de) in die rechte Hand, der Rest ist aufgewickelt in der linken Hand (evt. leichte Handschuhe tragen), gehst ein paar Meter voraus und lässt dann den Rest der Leine locker. Das Ende behalten wir natürlich weiter in der rechten Hand.

Starte mit einer 5 Meter-Leine. Immer, wenn Du siehst, dass Dein Hund gleich in die Leine rennen wird, drehst Du Dich unangekündigt um und gehst in die entgegengesetzte Richtung. Du machst also wortlos eine Kehrtwendung. Geht Dein Hund links, gehst Du rechts. Geht er voran, gehst Du zurück. Bleibt er stehen, gehst Du weiter. Das wird so einige Male wiederholt. Ist Dein Hund auf gleicher Höhe wie Du oder nimmt Blickkontakt zu Dir auf, lobst Du ihn mit freundlicher Stimme und/oder Leckerchen. Nach kurzer Zeit wirst Du feststellen, dass Dein Hund besser auf Dich achtet. Dein Hund lernt durch diese Orientierungsübung auf dich und Deine Bewegungen zu achten. Wenn Ihr soweit seid, dass ein „in die Leine rennen“ nicht mehr vorkommt, sondern Dein Hund locker und entspannt an Deiner Seite geht tauscht Du Deine 5 Meter gegen eine 10 Meter Leine und wiederholst das oben beschriebene Training. Wichtig: Während der Übungen wird der Hund nicht gerufen oder mit Futter oder Stimme gelockt. Er wird von alleine merken, dass es besser ist, auf Dich zu achten.

Abwechslung und Spannung im Schleppleinentraining

Zwischendurch lockerst Du die Übungen etwas auf, indem Du, wenn er Dich anschaut, einige Leckerchen wirfst die er dann erjagen bzw. erschnüffeln darf. Hat er das Leckerchen ergattert, rufst Du ihn mit seinem Namen. Der Hund schaut zu Dir und Du wirfst das nächste Leckerchen in die entgegengesetzte Richtung.

Jetzt beginnt das Spiel von vorne - ansprechen...werfen...jagen...aufnehmen. Hierdurch lernt Dein Hund, dass es sich lohnt und es spannend ist, unterwegs auf Dich zu achten. Hat er das verstanden, kannst Du allmählich Spielzeug, z.B. Bällchen als Abwechslung einsetzen (Achtung: Umgang mit einem Balljunkie: https://www.hundtutgut.de/post/droge-ball)

Ist Dein Hund an der 10 Meter-Leine zuverlässig und über einen längeren Zeitraum aufmerksam, ansprechbar und an Dir orientiert, kannst Du anfangen, die Leine loszulassen. Die Schleppleine schleppt nun hinter Deinem Hund her ohne dass Du sie festhälst. Hierbei machst Du immer wieder den unangekündigten Richtungswechsel, um zu sehen, ob Dein Hund auf Dich achtet.

Einen Schritt weiter: Die Distanzkontrolle

Wäre es nicht praktisch wenn Du Deinen Hund auch auf Distanz ins Sitz oder Platz bringen könntest, zum Beispiel weil ein Fahrrad kommt, das vom Hund regelmäßig übersehen wird und er ins Fahrrad läuft? Oder er Radfahrer hinterher jagt? Dafür übst Du die Befehle Sitz, Platz, Steh oder Bleib zunächst an der kurzen Führleine, bis sie dort auch sicher unter Ablenkung abrufbar sind. Dann steigerst langsam die Entfernung bis zu 5 Meter, um auf 10 Meter zu erhöhen. Trainiere dies erst ohne, und dann mit zunehmender Ablenkung. Die Steigerung der Übung erfolgt jeweils immer erst dann, wenn das Lernziel der letzten Phase erreicht wurde, arbeite Schritt für Schritt. Das Distanztraining wird über mehrere Wochen brauchen, um zuverlässig abrufbar zu sein. Sollte die Fehlerquote ansteigen, gehst Du einen Lernschritt zurück, oder reduziere die Ablenkung. Wichtig ist hier die Wiederholung und die Varianz an Belohnung. Übe mit Spaß an der Sache, wenn Du mal einen schlechten Tag hst lass es lieber sein.

Signale werden ignoriert?

Sollte Dein Hund Deine Befehle ignorieren, die er zuvor schon verstanden und zuverlässig abrufen konnte, solltest Du dazu übergehen, den Hund an der Schleppleine auf Distanz zu verunsichern. Dies kann geschehen, indem man die Leine in seine Richtung wirft oder Trainings - Diskscheiben einsetzt um seine Aufmerksamkeit wieder zu erlangen. Der Einsatz der Korrektur über Trainingsdisks erfolgt ausschließlich mit einem erfahrenen und kompetenten Hundetrainer.

Wie bei allen Trainingseinheiten müssen wir die Übungen mit der Schleppleine konsequent einsetzen, da die kleinste Abweichung unseren Hund irritiert und „Schlupflöcher“ aufzeigt. Sei konsequent! Was Dein Hund nicht kennt (Freilauf) vermisst er auch nicht. Entfernst Du die Schleppleine zu früh wird Dein Hund die nächste Möglichkeit nutzen und wieder in sein altes, autarkes bzw. jagdmotiviertes Verhaltensmuster zurückfallen. Und Ihr fangt wieder von vorne an.

Die lose Schleppleine wird gekürzt

Wir machen es dem Hund und uns leichter, indem wir erst dann mit dem Kürzen der Leine beginnen, wenn wir sicher sind, dass unsere Kommandos sicher ausgeführt werden. Die Schleppleine wird in 50 cm- Schritten gekürzt. Für jede abgeschnitten 50 cm rechnet man eine Woche. Wenn insgesamt nur noch 50 cm übrig sind, sollte man dann nur 30 cm abschneiden, sodass noch ein Rest am Brustgeschirr oder Halsband verbleibt. Bei kleinen Hunderassen ist die der Schleppleinenzipfel natürlich entsprechend kürzer. Diesen Rest kann man zur Sicherheit noch einige Zeit am Halsband belassen. Das Training mit der Schleppleine kann zwischen 6 Monaten und einem Jahr dauern. Achtung: Wenn Du nicht bereit, diese Zeit konsequent durchzuhalten, dann kommt von mir nur der Rat:

FANG GAR NICHT ERST MIT DEM SCHLEPPLEINENTRAINING AN!

Hast Du Dich aber für das Schleppleinentraining entschieden und es konsequent durchgeführt, hast Du am Ende ganz viel erreicht. Allem voran, das Vergnügen Deinem Hund und Dir unterwegs Freiheit geben zu können.

- Dein Hund hat seinen Aussen-Fokus auf Dich umgelenkt und befolgt zuverlässig und freudig Deine Signale. Und zwar auf Distanz!

- Du kannst Deinen Hund auch auf großer Entfernung trotz großer Ablenkung ins Sitz, Platz etc. geben. Eine hilfreiche Sache, und Übungen hierzu machen Spaß und stärken Eure Bindung.

- Dein Hund läuft nicht mehr unkontrolliert weg, jagt und ignoriert Dich draußen! Im Gegenteil. Ihr seid ein echtes Team geworden, Dein Hund steht unter Kontrolle und Deinem Schutz und Ihr vertraut einander.

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