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Droge Ball!

Aktualisiert: 3. Aug 2019

Ein Artikel von Michael Grewe, Canis Kynos


Um Spielverhalten haben sich Wissenschaftler aus den Bereichen der Entwicklungspsychologie, der Pädagogik, der Verhaltensbiologie und der Soziologie Gedanken gemacht. Niemanden wird es überraschen, dass sich die unterschiedlichen Fachbereiche nicht in allem einig sind. Doch es gibt grundsätzliche Übereinstimmungen darin, Spielverhalten zu definieren, um somit zu beschreiben,

was Spiel überhaupt für eine Funktion hat und wie Spiel aussehen kann. 

Auch was dabei mit und zwischen den Spielenden von außen unsichtbar geschieht.„Die biologische Bedeutung des Spielens liegt in der Erprobung und Einübung lebenswichtiger Verhaltensweisen des Erwachsenenlebens. Das Spielen ist also eine Notwendigkeit, die der natürlichen Entwicklung des Hundes dient.“ (Weidt, 1996)

Was sind denn für Hunde „lebenswichtige Verhaltensweisen des Erwachsenenlebens“? Bei der Beantwortung der Frage muss man sicher danach differenzieren, welche menschlichen Erwartungen an den jeweiligen erwachsenen Hund gestellt werden. Was erwarten Menschen, die den Hund für eine rassespezifische Arbeit nutzen wollen? Was erwarten Haus- und Familienhundhalter?

Was müssen Hunde lernen, die im Grunde ohne enge menschliche Anbindung leben müssen, z. B. Straßenhunde in südlichen oder östlichen Ländern? Je nach Erwartung und Lebensraum müssen Hunde unterschiedliche Dinge lernen, die in der jeweiligen Lebenssituation dann letztlich „überlebenswichtig“ sind. In meiner Argumentation möchte ich mich ganz eindeutig nur mit der Situation um Haus- und Familienhunde in unserem Land beschäftigen.

Was erwarten wir denn von unseren erwachsenen Haus und Familienhunden? Sie sollen umweltsicher und sozialverträglich sein! Große Worte! Umweltsicherheit und Sozialverträglichkeit sind schon Raum füllende Bezeichnungen.

Viel wird über Spiel geschrieben und geredet, und ich gehe davon aus, ohne Menschen und Hunde in ihrer Komplexität auf einer Ebene zu sehen, dass viele Faktoren des menschlichen Spielverhaltens auf das Spielverhalten von Hunden zu übertragen sind. Das ist meiner Meinung nach auch deshalb zulässig, weil ja der Mensch auf die Entwicklung seines Hundes einwirkt und das nicht zuletzt durch Spielen mit dem Welpen oder durch das, was der Hundehalter für Spiel hält.

Begriffe, auf die ich später noch einmal zurückkommen werde. 

Was müssen Haus- und Familienhunde aber noch lernen? Man kommt eigentlich nicht gleich darauf, aber im Grunde müssen sie heutzutage lernen...! Genau, sie müssen lernen, „kein Hundeverhalten“ zu zeigen. Herumstreunen beispielsweise, als eine der wesentlichen Verhaltensweisen von Hunden (Zimen, Der Hund), ist undenkbar. Sie dürfen nicht jagen, nicht mal die Nachbarskatze wegscheuchen. Sie dürfen nicht bellen. Sie dürfen sich vor allen Dingen nicht aggressiv verhalten. Müssen sich immer richtig verhalten und auch noch gute Manieren haben (kein öffentlicher Sex, und die Notdurft am besten hinter verschlossenen Türen).

Umweltsicherheit und Sozialverträglichkeit sind im Vergleich dazu doch eigentlich das geringste Thema,oder?

Unkontrolliertes Jagd- und Aggressionsverhalten sind wohl die maßgeblichen Verhaltensbereiche, die unvorteilhafte Auswirkungen auf Umweltsicherheit und Sozialverträglichkeit haben, und wer an dieser Stelle behauptet: „Jagen und Aggression? Kein Problem! Mit meiner Methode krieg ich das bei allen Hunden hin.

Hundertprozentig!“, leidet entweder an krankhafter Selbstüberschätzung, ist schlichtweg nur dumm oder ein geschickter Scharlatan. Mehr aber nicht. Für alle diejenigen, die hier kompetenter argumentieren möchten, steht doch sicherlich fest, dass man mit Jagd- und Aggressionsverhalten von Hunden in der Form umgehen

lernen muss, dass Umweltsicherheit und Sozialverträglichkeit gewährleistet sind und der verantwortbare Rest dieser beiden Verhaltensweisen dem Hund belassen werden sollte. 

Wer damit nicht zurechtkommt, darf sich keinen Hund anschaffen! Dem Hundehalter in den Bereichen Jagd- und Aggressionsverhalten von erwachsenen Hunden hilfreich zur Seite zu stehen, das stellt meiner Erfahrung nach für jene Hundetrainer und Verhaltensberater, die sich der problematischen Hund - Mensch Beziehung angenommen haben, ein Schwerpunktthema dar. Das ist für mein Thema deshalb so

interessant, weil die Ausbildung von Jagdverhalten und die Ausprägung von Aggressionsverhalten im Spiel der Hunde gelernt werden.

„Das nahezu gesamte Verhaltensrepertoire des später erwachsenen Hundes entwickelt sich im Verlauf der sensiblen Phasen (Sozialisierungsphase) der Welpenentwicklung. Also in etwa von der 3. bis zur 12. Lebenswoche. Angeborene Verhaltensweisen und Lernprozesse greifen jetzt in höchstem Maß ineinander und legen das spätere Verhalten gegenüber Menschen, Hunden und Umweltbedingungen zum Großteil fest. Hier spielen soziale Lernerfahrungen für die Entwicklung des späteren Sozialverhaltens die wesentliche Rolle. Ferner werden in dieser Zeit auch körperliche Fertigkeiten, die für den erwachsenen Hund wichtig sind, entwickelt.“

Der heutige Familienhundhalter, hoch motiviert, mit seinem jungen Hund alles richtig zu machen, geht mit ihm in eine Welpengruppe! Nun gibt es aber nicht „die“ Welpengruppe, sondern eine Vielzahl von Welpengruppen, die je nach Philosophie oder lerntheoretischer Überzeugung inhaltlich unterschiedlich ausgerichtet sind. Wer will sich da auskennen? Zumindest der normale Hundehalter scheint überfordert und verlässt sich in der Regel auf die Kompetenz der Trainer. Wir wollen ja den erwachsenen Hund, der sich gegenüber Menschen und Artgenossen sozial angepasst verhalten kann. Unsere Hunde spielen eigentlich ihr Leben lang, und man kann beobachten, dass sich das Spiel „erwachsener Hunde“ nicht sonderlich vom Spiel der Welpen unterscheidet. Die Motorik ist ausgereifter, die Strategien sind ausgefeilter aber alles in allem erscheinen uns „erwachsene Hunde“ im Spiel relativ „kindlich“.

Das hat mit einer domestikationsbedingten „Verkindlichung“ von Hunden zu tun.

Nun stellen die sensiblen Phasen der Welpenentwicklung die exponierten Zeitabschnitte dar, in denen am innigsten gespielt wird und bestimmte Lernerfahrungen begünstigt gemacht werden können oder sogar müssen. Das betrifft

sowohl gute als auch schlechte Erfahrungen oder schöne und nicht so schöne Erfahrungen. So durchdacht und verständlich sich manche Theorien über Hundeverhalten auch lesen und anhören. Das Leben ist meist anders!

Woran erkenne ich Spielverhalten und was macht es aus? Was geschieht im Spiel? Was kann ich beobachten und was muss ich beobachten können? Welche Dinge laufen aber auch von außen nicht erkennbar ab? 

Im Folgenden kommen einige Definitionen, die der „Entwicklungspsychologie des Kindes“ (Schenk-Danzinger) entnommen sind. Sie sollen helfen, elementare Gesichtspunkte des Spielens besser zu verstehen.

Spielen ist frei von jeder Fremdbestimmung. 

Das heißt, Spielen ist eine spontane, aus sich selbst heraus motivierte Tätigkeit. Das Individuum befindet sich selbstständig, also ohne Fremdeinwirkung in ständiger Auseinandersetzung mit der Umwelt und trifft eine Auswahl unter den angebotenen Reizen.

Sehen wir uns doch einige Welpengruppen an. Man kann erkennen, dass hier so gut wie gar nichts mehr spontan und von den Welpen selbst ausgehend initiiert wird. Durch den Lehrplan der Menschen zwingend fremdbestimmt, wird eine förderliche Auseinandersetzung mit der Umwelt, die zudem noch sehr unrealistisch

konstruiert scheint (als gäbe es nur IKEA auf der Welt!), nahezu blockiert. Eine Auswahl unter den angebotenen Reizen treffen, die den individuellen Neigungen und dem Entwicklungsstand des Welpen entsprechen? Das wäre ja noch schöner! 

Wir Menschen haben doch einen Plan!

Häufig bleibt keine Zeit für das so wichtige soziale Lernen. Aggressionen sind verpönt und werden sofort unterbunden. Der Welpe kann nicht mehr lernen, was er unbedingt lernen muss: mit seinen Aggressionen

umgehen! Hierunter fällt u. a. das Erlernen der „Beißhemmung“ anderen Hunden, aber auch Menschen gegenüber. Die Fähigkeit, Aggressionen zu haben, ist allen Welpen angeboren. Hier greifen jetzt die sozialen Lernprozesse. Wer mit seinen Aggressionen umzugehen lernen soll, muss sie auch zeigen dürfen.

Sicherlich muss man Aggressionsverhalten auch unterbrechen können. Es gibt schon ungleichgewichtige Konstellationen, die das erfordern. 

Und für den Einzelnen können zu viele Erfolge für seine weitere Entwicklung auch misslich sein. Das jedoch hängt vom sozialen Kontext der individuellen Situation ab; und dafür gibt es kein katalogisiertes Vorgehen. Um das zu erkennen, braucht der Mensch Erfahrung mit Welpen und viel Gefühl für die unmittelbaren Situationen. Gefühl ist hier entscheidend, nicht auswendig gelerntes, statisches Vorgehen! 

Und ein ausgeprägtes Gefühl für soziales Miteinander ist vielen Menschen, auch Hundetrainern, schlichtweg schon abhanden gekommen. Menschen dürfen o. g. ja häufig auch nicht mehr lernen. Die Erkenntnis kann nur sein: „Sozial förderlich gespielt wird hier nicht!“

Spielen ist eine zweckfreie Tätigkeit. Spielende verfolgen keinen außerhalb des Spielens liegenden Zweck. Das heißt nicht, dass Spielen, objektiv betrachtet, nicht die unterschiedlichsten Zwecke erfüllen kann (u. a. Spiel als soziale Strategie: z.B. Spiel als Ablenkung, als Beschwichtigung, zur sozialen Entspannung, zur sozialen Eskalation). Und ganz wichtig: „Man kann das Spiel abbrechen, wenn man, aus welchen Gründen auch immer, nicht mehr spielen will.“

Auch hier finden wir den sozialen Wert des Spieles wieder. Es steht aber nicht im Vordergrund der Handlungen, sondern ergibt sich mehr oder weniger nebenbei.

Besonders wichtig erscheint mir der Satz „Man kann das Spiel abbrechen, wenn man, aus welchen Gründen auch immer, nicht mehr spielen will.“ Können einige Welpen das tatsächlich, oder müssen sie auf Teufel komm raus weiter spielen? Wir haben ja den Plan noch nicht erfüllt. Eine ganz andere und sehr wichtige Erscheinung hängt aber mit dem so populären „Ballspiel“ in vielen Welpengruppen zusammen. 

Niemand kann sich heute wohl so recht daran erinnern, welcher Mensch denn auf die Idee kam, den Ball ins Hundespiel zu bringen. Was genau bei unreflektiertem Umgang mit Bällen im Hundeverhalten geschieht, werde ich im Folgenden noch erläutern. An dieser Stelle soll nur die Beobachtung angesprochen werden. Zu beobachten ist, zumindest bei Welpen oder Junghunden gewissen Alters und gewisser Rassezugehörigkeit, dass sie gar nicht mehr in der Lage sind, ihr Verhalten um den Ball abzubrechen. Gierig und wie von Sinnen scheint es nichts Wichtigeres für sie zu geben als eben diesen Ball. Obwohl in der Gesamtsituation durch unterschiedlichste

Umweltreize so unendlich viel anderes Interessantes zu entdecken und zu erlernen ist. Nein, es interessiert diese armen Hunde nur noch der Ball. Von der Fähigkeit, dieses ballfixierte Verhalten abzubrechen, ist der Welpe schon häufig weit entfernt. 

Die Erkenntnis kann nur sein: „Es handelt sich nicht mehr um Spielverhalten!“

Spielen ist eine freudvolle (lustbetonte) Tätigkeit. Eine spannungsfreie Situation wird als Langeweile erlebt. Über Neugierde und Spaß am Erkunden alles Neuen motiviert, dringt man mit lustbetonter Spannung in seine Umwelt vor, untersucht das Neue, wagt sich an Unbekanntes heran und lernt Unbewältigtes durch Übung zu beherrschen.

Also Langeweile als Motiv, tätig zu werden? Genau, sie müssen sich einmal selbst etwas ausdenken. Dabei kann man schon einmal quengelig oder auch unfreundlich werden, wenn einem nicht gleich etwas Geeignetes in den Sinn kommt. Vielleicht wird aber dadurch, dass man als Hundehalter Langeweile auch einmal zulässt, so etwas wie eine Form der sozialen Kreativität angesprochen, die es dem Hund im Verlaufe seiner weiteren Entwicklung ermöglicht, eine breitere Palette von Spielmöglichkeiten oder an sozialem Verhalten zu haben?

Wenn man beginnt, ein soziales Spiel zu spielen, weiß man ja nie so genau, wie es weitergeht, was als nächstes geschieht. Hierin liegt nicht unwesentlich der Reiz

versteckt, aktiv in die unterschiedlichsten Spielhandlungen zu gehen. Die Wechselwirkung der Interaktionen der Spielpartner bedingen unendlich viele Möglichkeiten eines Spielverlaufes. Ist das nicht auch ein Punkt, den

man erkennen muss? Die Vielfalt des Spielverlaufs und die Freude oder Lust auf etwas Unerwartetes? Wie spannend ist „mal sehen, was passiert“!

Dabei weiß man nicht genau, was passiert, und hangelt sich von Abenteuer zu Abenteuer. Man wird als Spielender vor immer wieder neue soziale Situationen

gestellt und muss sie für sich lösen. Dabei lernt man Sozialverhalten! Über schöne und unschöne Geschehnisse im Spielverlauf. Am Ende lernt man meistens, das Schöne haben zu wollen, und dazu muss man sich richtig verhalten. Da sind Hunde sicherlich genau wie Menschen motiviert.

Gehen wir wieder in die Welpengruppe, in der die Menschen ihre Welpen unreflektiert und einseitig mit Bällen zu irgendetwas motivieren wollen oder genauso unreflektiert denken, dass der Mensch den Ball braucht, um für seinen Hund interessant zu sein. Armer Mensch!

Der Ball wird geworfen, und der Welpe läuft hinterher; der Ball wird geworfen und der Welpe läuft hinterher; der Ball…! Nach zunehmenden Besuch der Welpengruppe und mit zunehmendem heimischen „Ballspielens“ nach Anleitung der Trainer erkennen wir - nicht bei allen Welpen, aber bei gewissen Typen der Terrier- und Hütehundrassen -, wie ihr Blick immer fixierter auf den Ball oder gar schon auf andere Bewegungsreize gerichtet ist. Mag ja sein, dass am Anfang dieses Ballmanipulierens so etwas wie Freude, Lust und auch Spaß vorhanden und erkennbar war. Da aber bei einigen Hundetypen etwas im Organismus passiert, muss man diese dem wirklichen Spiel anhängigen Begriffe wie Freude, Lust und Spaß einmal beobachtend hinterfragen. 

Ist es nicht eher Gier, die dem Beobachter dort entgegenkommt, und ist nicht Freude und Spaß eher auf dem Gesicht der Hundehalter zu sehen, die ihren kleinen, gierigen Freund glücklich wähnen? 

Drogen machen auch glücklich! Zumindest für eine kurze Zeit.

Was geschieht nun bei diesen Hundetypen, die wir als erwachsene Hunde mit folgendem Verhalten erkennen, in ihrer Welpenentwicklung? Das sind in der Regel erwachsene Hunde, die mit und ohne Leine ständig auf der Suche nach sich bewegenden Reizen sind. Das sind Hunde, die im Grunde keine ruhigen fünf Minuten haben und unter einer Art Dauerstress stehen.

Kann man wunderbar auf einigen Agility- oder Hundeplätzen beobachten. Das sind Hunde, die es schlichtweg nicht aushalten können, einem Bewegungsreiz nicht hinterher zu laufen, es nicht schaffen, diesem Drang zu widerstehen. Das sind Hunde, die man so weit getrieben hat, dass sie wimmernd, winselnd und sogar schreiend vor irgendwelchen Bällen, Stöckchen oder Tannenzapfen gieren, bis sich jemand erbarmt und das Objekt der Begierde mit dem Fuß ankickt. 

Und den Hund allerdings nach zwei Metern schon wieder mit dieser Handlung bedienen muss. Da sind die Hunde Sklaven ihrer Sucht, und die Menschen erscheinen als Dealer! Bei diesen suchtgefährdeten Hunden geschieht in der Regel Folgendes in ihrer Welpen- und Junghundeentwicklung: 

Durch das monotone Ballspiel wird der Welpe in der Koordination bestimmter Motorik und Sinnesleistung in einem Maß - zu intensiv und obendrein viel zu früh - gefördert, das nicht dem natürlichen altersgemäßen Reifegrad entspricht (und ein Ungleichgewicht von Kopf und Körper zur Folge hat). Es wird auf diese Weise der Organismus des Welpen trainiert, viel zu früh in seiner Entwicklung und unangepasst an den Reifegrad, Hormone auszuschütten, die für jagdliche Verhaltensweisen eine Rolle spielen. Hier wird ein endogener Vorgang im Körper der Welpen konditioniert, der sich auf das zukünftige Verhalten auswirkt. Diese Hormone, die dabei produziert werden, versetzen in rauschähnliche Zustände, die im ernsthaften Jagdverhalten ja ihre Bewandtnis haben, und erzeugen sicherlich ein Glücksgefühl. 

Dieses Gefühl will der Hund natürlich verstärkt erleben, weil es einfach schön ist. Irgendwann, wie bei einer Sucht, spielt dieses schöne Gefühl jedoch keine Rolle mehr. An seine Stelle tritt Gier.

„Entwicklung ist eine kontinuierliche Veränderung, gekennzeichnet durch das zunehmende auftreten von Verhaltensweisen und deren Heranreifen in einem ständigen Wechselspiel zwischen genetischen und umweltbedingten Faktoren, und das, was in einem Entwicklungsabschnitt geschieht, ist niemals unabhängig von dem, was vorher geschah und wird das beeinflussen, was folgt.“ (Dr. Feddersen-Petersen)

Nun gibt es aber unheimlich (ich finde es wirklich unheimlich) viele Menschen, die sich dieses Suchtverhalten ihres Hundes zunutze machen. Für den Ball würde der Hund alles tun - wie der Junkie für die Nadel -, und der Mensch kann mit dem Hund alles machen - wie der Dealer mit dem Junkie. 

Vielleicht gibt es ja auch so dumme Dealer, die denken, dass der Junkie sich freut, den Menschen im Dealer zu sehen? 

Der Dealer ist aber durch jeden anderen zu ersetzen. Hauptsache „Stoff“.

So ist das auch bei Hunden. Sie freuen sich nicht über den Menschen, sondern gieren nach dem Ball. Wer den Ball hat, hat die Macht. Der Mensch ist austauschbar, und das macht einen solchen Umgang mit dem Hund zusätzlich noch zu einem sehr bindungslosen Vorgang. Bindung geht über Persönlichkeit!

Im Einzelfall ist sicher eine Diskussion berechtigt, die der Frage nachgeht, ob das rücksichtslose Ausnutzen dieses Phänomens um den Ball nicht sogar tierschutzrelevante Elemente des Missbrauchs von Hunden

beinhaltet. Schmerzen, Schäden oder Leiden sind dann zu definieren. Könnte es nicht ein Schaden oder Leid sein, wenn ein Hund nichts anderes auf der Welt mehr wahrnehmen kann außer einem sich bewegenden Ball?

Neben gesteigertem Appetenzverhalten, bezogen auf den sich bewegenden Reiz, und der permanenten Ausschüttung von Hormonen befindet sich der Hund zweifelsfrei in einer hochgradig gestressten Situation und zeigt eigentlich stereotypes Verhalten am Ball. Das wiederum ist ein Anzeichen einer Verhaltensstörung.

Damit kommen wir in Richtung eines Schadens und eventuellen Leidens. Ich persönlich bin bezüglich Stresses bei Hunden gar nicht unbedingt empfindlich. Er muss nur einen förderlichen Sinn für den Hund haben. Das heißt auch, dass das Erleben von unschönem Stress in Kindheit und Jugend des Hundes für den erwachsenen Hund Vorteile bringen kann. Zum Beispiel bei der Entwicklung einer Frustrationstoleranz. 

Frust bis zu einem gewissen Punkt muss jedes soziales Lebewesen ertragen können. Die unmittelbare Situation, in der das gelernt wird, ist sicher nicht schön, aber unendlich wichtig, um als erwachsener Hund das eigentlich normale „viele Dinge nicht dürfen“ zu ertragen. Und die Ausprägung der individuellen Fähigkeit des Hundes, Frust zu ertragen, hat eine ganze Menge mit dem Welpenspiel der Hunde untereinander und auch mit dem Menschen zu tun. Man befindet sich während des Spielens ja häufig in einer Wettbewerbssituation.

Bei dem Rollentauschspiel „Jäger und Gejagter“ zum Beispiel. Man kann deutlich erkennen, wie genervt ein Welpe ist, der seinen Spielpartner nicht fangen kann, und wie der Frust in ihm wächst. Nichts ahnend steht ein anderer Welpe im Weg und wird von dem gefrusteten Welpen dermaßen attackiert und zwar nicht spielerisch, bis der Angegriffene sich heftig wehrt und den Angreifer in seine Schranken verweist. Und da Hunde nicht selten intelligenter als Hundetrainer sind, geschieht diese Aktion sicherlich nicht über „positive Belohnung“, sondern über eine „positive Bestrafung“, die dann auch mal weh tut. (Wie gesagt, das Leben ist oft anders als die gekünstelte Theorie.)

Aber der Lerneffekt ist hier entscheidend: „Auch wenn man gefrustet ist, stürzt man sich nicht auf andere und mangelt sie nieder. Sicherlich muss man auch diese Situation relativieren, weil es natürlich Ungleichgewichte gibt, die sich allein schon aus den unterschiedlichen Rassen ableiten lassen. Hier kommt wieder der

kompetente und erfahrene Hundetrainer mit seinem Gefühl ins Spiel. Wird er aber nur mit dem Ball verrückt gemacht, hat der Welpe keinen Raum für solche Erfahrungen. Und Versäumnisse in dieser Zeit sind später sehr schwer nachzuholen.

Das Gleiche ergibt sich häufig aus Kampfspielen der Welpen untereinander. Beiße ich zu heftig, wird der andere sauer und beißt konkret zurück. So wird aus dem Spiel heraus die bereits erwähnte Beißhemmung erlernt. Wir erinnern uns doch gern an das Spiel „Mensch, ärgere Dich nicht“! Es ging doch immer genau darum, dass sich jemand ärgert. Man konnte beobachten, dass bei einem „Rauswurf“ kurz vor dem sicheren Hafen Aggressionen aufgrund von Frustration freigesetzt wurden und das gesamte Spiel durch das Wohnzimmer flog. Und dann kam: „So geht das aber nicht!!! Nur weil du verloren hast, kannst du nicht...!“ Dabei muss ja niemand verprügelt werden. 

Aber eindeutig und ernst darf es dennoch sein? 

Da Aggressionsverhalten im Wesentlichen soziale Kommunikation ist, bei der es sich um eine angeborene Fähigkeit handelt, deren Ausbildung und Ausprägung jedoch erlernt sein will, muss dieses Verhalten zugelassen und sozial beantwortet werden. Natürlich darf man sich ärgern - aber noch lange nicht gleich zustechen.

Für all das bleibt kein Raum, wenn mein fast schon sozial reduzierter Ballhund nichts anderes mehr kann, als nach dem Ball zu gieren. In Bezug auf richtiges Spiel bleibt bei diesem Umgang mit dem Hund festzustellen, dass das eigentlich Wichtige des Spielens nicht erreicht wurde: Soziales Lernen fand nicht statt!

Im Spiel der Welpen untereinander kann man auch beobachten, wie sie ihr gesamtes angeborenes Verhalten völlig durcheinander und auch der Situation nicht angepasst zeigen. Hier vermischen sich die so genannten Funktionskreise. Beschränken wir uns auf Jagd- und Aggressionsverhalten, haben wir es beim Jagen mit dem Funktionskreis des „stoffwechselbedingten Verhaltens“ zu tun. 

Bei Aggression geht es um „Sozialverhalten“.

Beides hat eigentlich absolut nichts miteinander zu tun. Im Spiel der Welpen erkennt man aber die Vermischung ganz deutlich. Es wird sich zum Beispiel wie an eine Beute an einen anderen Welpen angepirscht, der dann davon rennt und gejagt wird. Wird er gefangen, beginnt nicht selten eine wie oben beschriebene Auseinandersetzung mit aggressiven Elementen. Hier sind Aggressionen zunächst nicht angepasst, werden aber nach entsprechenden Lernvorgängen den adäquaten Situationen zugeordnet. Der Hundewelpe lernt zudem, dass andere Hunde - und Menschen! - nicht ins Beutespektrum gehören. 

Soziale Kommunikation ist das eine und Jagen das andere.

Werden diese Verhaltensbereiche in der Welpenentwicklung nicht im Spiel sortiert und bleiben also miteinander vermischt, resultieren daraus in der Regel als relativ kritisch zu beurteilende erwachsene Hunde, die man in den beiden erwähnten Verhaltensbereichen eher als unklar bezeichnen muss. Wann und was wird gejagt, sowie wann und wie verhält sich der Hund aggressiv sind dabei die Risikobereiche. In Bezug auf Umweltsicherheit und Sozialverträglichkeit sind das die sicherlich am ernstesten zu nehmenden Risiken, da Übergriffe in Bezug auf Beißvorfälle gegen Menschen und Hunde häufig hier einzuordnen sind. 

Der tödliche Angriff auf den kleinen Volkan im Juni 2000 in Hamburg resultiert zum Beispiel aus diesem Phänomen. Jagen und die sinnvolle Aneinanderreihung jagdlicher Sequenzen wird ebenfalls im Spiel gelernt. Bei den Welpen kann man beobachten (und das Kapital guter Hundetrainer ist nun mal die Beobachtung), wie sie sich an einen Plastikblumentopf, der im Garten liegt, anpirschen und an ihm den Beutesprung machen, um danach noch mal ins Fixieren zu wechseln. Passt nicht so ganz.

Fixieren passiert, wenn die jagdliche Handlung vollständig abläuft, was bei vielen Rassen genetisch bedingt nicht mehr der Fall ist, vor dem Anpirschen. Es wird aber auch gelernt, dass man Blumentöpfe nicht jagen kann.

Zum einen, weil sie sich nicht bewegen und zum anderen, weil man sie nicht fressen kann. Wenn in der Welpenentwicklung sinnvoll mit dem Phänomen Spiel umgegangen wird, hat man die Möglichkeit, den Auslösereiz für jagdliche Muster festzulegen oder besser: sich festlegen zu lassen. Das lernen die meisten Hunde eher ganz allein. Der Welpe rennt zum Beispiel hinter dem Laubblatt her und fängt es. Dann wird er darauf herumbeißen und es probieren, woraufhin er dann feststellt, dass es nicht schmeckt. 

Der Auslösereiz für diese Blattjagd war zwar die Bewegung des fliegenden Blattes, die Erkenntnis aber war, dass es sich nicht lohnt. Somit lernt ein Hund aus der Situation heraus, die Bewegungsreize seiner Umwelt zu differenzieren. Das heißt noch lange nicht, dass man mit dem erwachsenen Hund keine Probleme im Bereich Jagdverhalten hat. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass er alles jagt, was sich bewegt, ist hier geringer. 

Trainiert man aber den Hund ungünstig mit dem Ball, ist die Wahrscheinlichkeit eher groß, dass zumindest gewisse Hundetypen in der Folge dieses Vorgehens die Bewegungen in ihrer Umgebung nicht differenzieren können und schließlich jede Bewegung als Auslösereiz für jagdliche Motive angenommen wird.

Radfahrer, Skater, Jogger, kleine Hunde u.s.w.: alles Elemente, die nicht ins Beutespektrum eines Caniden gehören. Hunde, die das nicht gelernt haben, sind weit entfernt von Umweltsicherheit und unter Umständen auch von Sozialverträglichkeit. Es sei denn, man wünscht dieses Verhalten…

An dieser Stelle ist es, glaube ich, Zeit, meine Argumentation um den Ball und den Unfug damit zu relativieren. Wer ein Gefühl für richtiges Spielen hat oder manchmal einfach nur Glück hat, den geeigneten Hund zu haben, kann sicherlich den Ball ins Spiel einbauen und ein schönes objektbezogenes Sozialspiel leisten, ohne ein Problem heraufzubeschwören. Bei den meisten Hunden wird es bis auf soziale Verblödung auch wahrscheinlich keine weiteren Schäden oder gar Risiken für die Umwelt geben. Ich möchte jedoch in diesem Zusammenhang nachdrücklich darauf hinweisen, dass das Risiko und der Missbrauch gegen den Hund im Einzelfall eine ernst zu nehmende Gefahr darstellen kann.

Bälle sind für den Umgang mit dem Hund und für eine gut funktionierende Beziehung also grundsätzlich kein Hindernis. Sie sind allerdings schlichtweg nicht nötig.

Das belegen 15.000 Jahre Hundeentwicklung und Mensch-Hund-Beziehungen ohne jegliches Modezubehör, mit vermutlich kompetenteren Ansätzen von Seiten der Menschen, die weder ihre sozialen Defizite über den Hund kompensieren mussten, noch ihre Selbstdarstellung über Hunde laufen ließen. Wie der Bereich der sozialen Erziehung über ausschließlich positive Belohnung, was sicherlich als „erfolgloses Experiment“ einzuordnen und mit Sicherheit einen eigenen Artikel wert ist, bilden auch Zubehör und nicht

zuletzt allerlei merkwürdiges Hundefutter einen gigantischen aber ebenso fragwürdigen Markt. 

Und der Markt orientiert sich an vielen Dingen - nur leider nicht am Hund. Wie könnte denn ein förderliches Spiel Mensch- Hund aussehen, wenn man den Ball mal wegließe?

Sehr interessant sind folgende Erkenntnisse aus wissenschaftlichen Arbeiten um das Spielverhalten von Müttern und Vätern. Nun will ich ja nicht Hunde und Menschen auf eine Ebene stellen, aber wie bereits erwähnt, lassen sich gewisse Argumentationen aus dem Bereich des Spielverhaltens von Menschen und Hunden sicherlich vergleichen.

Nehmen wir einmal klischeehaft an, dass ein Hund an Kindesstatt in einer Mann-Frau-Beziehung lebt. Er kommt als Welpe in die Beziehung und hat eine hohe soziale Wertigkeit und Funktion in diesem Gefüge. Dass der Mensch hier seiner Biologie folgt und mit dem Sozialpartner Hund in etwa so umgeht wie mit einem Menschenkind, kann man sich mit etwas Fantasie gewiss vorstellen, und es wäre nicht einmal verwerflich, wenn  umfassende biologische Mechanismen greifen würden.

1. Im elterlichen Interaktionsverhalten fanden sich nur in zwei Variablen Unterschiede: Mütter zeigten eine höhere Rate an Verbalisierung und spielten signifikant häufiger konventionell und über Spielzeug, während Väter eher körperliche Spielaktivitäten wählten, worauf die Kinder besonders stark reagierten. (Lamb 1976 - 1980)

2. Das Spiel mit dem Vater war etwas kürzer, weniger durch Spielzeug bestimmt und bestand eher in einer körperlichen Aktivität. Mütter bevorzugten Aktivitäten, die eher intellektuell waren und Spielmaterialien einbezogen, während Väter soziale und physische Aktivitäten wählten. (Clarke-Stewart 1978 - 1980)

Frauen spielen so und Männer eben anders. Ganz neutral und wertfrei. Was heutzutage bei Geschlechterthemen ja schon schwierig ist. Eigentlich schneiden Frauen ja bei diesen Untersuchungen auch besser ab. Sie sind intellektueller, reden und benutzen zumindest Spielzeug und Materialien. Männer sind nur kurz angebunden und körperlich. Irgendwie ein bisschen simpel und primitiv. Vielleicht passt aber gerade das auch gut zu gewissen Hunden. Das Körperliche! Man erkennt ja auch den Spaß, den das Gegenüber damit hat. Im Grunde leben wir doch, was das Soziale angeht, in einer relativ körperlosen Zeit. Körperlichkeit ist eher verpönt und gelingt vielen Menschen weder im Guten noch im Bösen. Von Schmusen und Streicheln bis hin zum Festhalten und Begrenzen, fällt es Menschen schwer, damit unkompliziert aus dem Bauch heraus zu handeln. Und am Ende gehört doch alles irgendwie zusammen.

Dann wird umfassend erzogen oder entwickelt. Hunde und auch sicherlich Kinder (bis zu einer bestimmten

Entwicklungsstufe) sind doch ganz besonders auf Körperlichkeit angewiesen, sind sie kommunikativ ja

noch gar nicht so weit entwickelt, dass sie ihre Bedürfnisse und sozialen Ansätze verbal formulieren können.

Bei Kindern ändert sich das ja bekanntlich. Hunde bleiben jedoch immer überwiegend körperlich. Anstatt

im Bereich der Erziehung und am besten auch grundsätzlich eine Form der geschlechtlichen Gleichmacherei

zu idealisieren, könnte man ja auch mal wieder versuchen, die Dinge so hinzunehmen, wie sie eben sind.

Dann hätte jeder seine Möglichkeiten und vor allen Dingen seinen sinnvollen Beitrag zur Erziehung abzuleisten.

Das heißt: Männer und Frauen gehören mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten zu gleichen Teilen in die

Erziehung. Übertragen wir die o. g. Untersuchungen auf das Spielverhalten von Menschen und Hunden, kommt man nicht umhin zu sagen, dass das körperliche Spiel hier mit Sicherheit genauso attraktiv ist wie bei Menschenkindern. Kämpfen und Rangeln, Jäger und Gejagter spielen, zu gewinnen und zu verlieren lernen. Das sind doch offensichtlich ganz wichtige Bereiche des sozialen Lernens, die nicht nur über Intellekt und Equipment abgeleistet werden können. Im körperlichen Spiel mit dem Hund hat der Mensch die Möglichkeit, auch hier eine Beißhemmung zu etablieren. In einiger Hundeliteratur steht zum Beispiel, dass der Mensch, der mit seinem Hund Zerrspiele macht, immer gewinnen sollte. 

Kampfspiele Mensch-Hund sind zum Teil gänzlich verpönt und wenn, dann sollte der Mensch auch immer gewinnen.

Was ist denn das für eine Entwicklung? Wenn jemand immer verliert? Da können nette Menschen auf einmal unglaublich hart sein und dem Hund so absolut keinen sozialen Raum bieten. Worauf es aber ankommt, ist doch immer der soziale Kontext des Einzelfalles, und es gibt gute Gründe, dieses oder jenes besser nicht zu tun. Wenn aber alles wunderbar ist, warum nicht mal den Hund gewinnen lassen? 

Erfolg macht auch sicher und selbstbewusst, und das ist gut für ein kompetentes Verhalten. Wenn man sich so objektiv wie möglich die heutigen Welpengruppen oder aber auch Hundeschulen im Allgemeinen ansieht, wird man jedoch beobachten, dass dort überwiegend Frauen tätig sind. Logischerweise

wird dort sicherlich auch überwiegend der biologische weibliche Spielaspekt in die Arbeit mit Welpen eingebracht. Daran hat jetzt sicher niemand Schuld, es ist ja auf der menschlichen Erziehungsseite ein gleiches Bild, und so etwas bringt ja auch der politische und soziale Zeitgeist mit sich. 

Das wäre doch mal ein Auftrag an die Männer: sich nicht so sang- und klanglos von der Erziehungsbühne schubsen zu lassen oder sich im Einzelfall auch schlichtweg zu verdrücken.

In diesem Zusammenhang ist es schon sehr spannend, sich einmal eine Welpengruppe ohne Schnickschnack von IKEA vorzustellen, deren Ausrichtung dahin geht, den Menschen wieder zu vermitteln, wie man spielt.

Mit sich selbst als Medium! Aber auch mit den anderen Möglichkeiten. Und weil es für einige Hunde so fatal ist, in einer unqualifizierten Welpengruppe heranzuwachsen, möchte ich betonen, dass es besser ist, in keiner Welpengruppe gewesen zu sein, als in einer schlechten! 

Spielverhalten und rassespezifische Verhaltensdispositionen von Hunden sind ein weiteres Thema, was die Arbeit in diesen Bereichen an ein hohes fachliches Niveau koppelt. Ohne den Rasseunfug im Detail schildern zu wollen, möchte ich nur einige Aspekte beschreiben, die wiederum im Spielverhalten erkennbar

sind und auch direkten Einfluss darauf haben.

Nehmen wir einmal die Typen Hütehunde, Terrier, Windhunde und Retriever. Alle sind sie für gewisse Arbeiten gezüchtet, und aus diesem Grund hat man Verhaltenselemente aus dem Jagdverhalten bei der Zucht bevorzugt. Und diese Verhaltenselemente werden von den Hunden auch bevorzugt gezeigt. Sie drängen

sich quasi in den Vordergrund.  Der Hütehund neigt zum Fixieren, der Terrier zum Packen, Windhunde zum Laufen, und Retriever nehmen alles ins Maul. Das ist Genetik, gegen die man nichts machen kann. Man sollte sie aber bedenken und ein waches Auge auf gewisse Eigendynamiken haben, um diese Dispositionen nicht noch versehentlich weiter zu fördern. Die o. g. Hundetypen werden sich insbesondere im 

Spiel in diesen – in den Vordergrund gezüchteten – Verhaltensbereichen aufhalten.

Der Hütehund wird sein Fixieren einbringen und läuft daher Gefahr, durch den Ball in diesem Bereich ungünstig gefördert zu werden, bis er letztlich nicht mehr aus dieser Handlungsschlaufe heraus kommt. Der Terrier will oder besser muss packen und wird auch dies im Zusammenhang mit dem Ball gern auf alles, was sich bewegt, übertragen. 

Windhunde sind eher unkritisch, weil es hier eher um den Spaß beim Laufen geht. Kein Packen, kein Fixieren, nur Laufen. Man wird auch feststellen, das diese Hundetypen auch sehr schwer „ballverrückt“ zu machen sind. Sie haben eben keine genetische Disposition, die dies anbietet. Sollten Windhunde

allerdings zur Mode werden, kann sich das schnell ändern, weil dann die Selektion nicht mehr über Verhalten, sondern über optische Kriterien abläuft, und dann wird Verhalten unklar.

Tja, und der arme Retriever kann durch den Ball oder auch viele andere Dinge, die man ins Maul nehmen kann, zu einer Karikatur seiner selbst werden. Immer grunzend einen Gegenstand im Maul zu haben zu müssen, ist sicherlich auch nicht das, was sich ein Hund von sich selbst wünschen würde, wenn er könnte. Wer weiß? 

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